Auf Nachtsafari
Mittwoch, 24.03.2010 18:02
Knock, knock! Pünktlich um 5.30 Uhr werden wir aus dem Schlaf gerissen. Wir haben eine ungewohnte Nachtruhe hinter uns: Statt klickender Frösche und grunzender Flusspferde umgab uns nur die Stille der Kalahari.
Eine halbe Stunde später nehmen wir Abschied vom Tau Pan Camp und starten zur Frühsafari. Für das frühe Aufstehen werden wir mit einem spektakulären Sonnenaufgang entschädigt: Blutrot erhebt sich der ein glühender Ball am Horizont und färbt die Kalahari in warmes Licht.
Der Löwenpascha, den wir gestern noch als verschlafenen Steppen-Schlaffi kennengelernt haben, ist gesichtet worden! Diesmal ist der King aktiv und streunt durch das Gras. Heute macht Majestät einen ganz anderen Eindruck: Seine dunkle Mähne und der durchdringende Blick seiner bernsteinfarbenen Katzenaugen lassen jetzt erahnen, weshalb der Löwe als König der Tiere gilt.
Bei optimalen Lichtverhältnissen klicken unsere Kameras im Akkord. Was für ein Bild: Der König der Tiere schreitet in der Weite der Kalahari mit arroganter Gelassenheit zwischen unseren Land-Cruisern hindurch, während seine Mähne im Licht der Morgensonne funkelt.
Nach diesem Highlight fahren wir noch eine Weile vorbei an staunenden Antilopen und Springböcken durch die Ebene, bis wir ein nettes Plätzchen für unsere Teatime erreichen. In Sichtweite zweier Oryx-Antilopen schlürft sich so ein Tässchen Tee in der Kalahari schon auf sehr gediegene Art. Falls jemand vorbeikäme, würden wir uns jetzt durchaus auch gern mit „Euer Lordschaft“ anreden lassen.
Aus den hochherrschaftlichen Träumen reißen uns aber unsere Guides, die zum Aufbruch drängen. Die Land-Cruiser brettern jetzt die Piste entlang und versetzen so manches Roadrunner-Hühnchen in Angst und Schrecken, bis es begreift, dass es besser nicht vor uns herrennen, sondern zur Seite wegflattern sollte.
Am Airstrip erwartet uns bereits unser neuseeländischer Pilot mit seiner exklusiv für uns gecharterten zwölfsitzigen Maschine der Moremi Air. Wir fliegen 45 Minuten lang in nordöstlicher Richtung und stellen kurz vor der Landung staunend fest, dass unter uns tatsächlich eine asphaltierte Straße und eine Stromleitung zu sehen sind. Hurra, so halbwegs hat uns die Zivilisation wohl wieder!
Wie immer werden wir auf das Herzlichste begrüßt und in den mittlerweile gewohnten Land-Cruisern zu unserem nächsten Camp gefahren. Unterwegs erblicken wir im Buschland ganz ungewohnte Tiere: Hier liegen tatsächlich Kühe zwischen den Büschen und käuen gemächlich wieder. Welcome to Botswanisch-Allgäu!
Unsere heutige Lodge heißt Leroo La Tau und befindet sich südlich des Okawango-Deltas, etwa 150 Kilometer von Maun entfernt am Ufer des Boteti River im Makgadikgadi Pans Game Reserve.
Wir sind beeindruckt: Die erst vor zwei Jahren eröffnete Lodge ist vom Allerfeinsten. Eine wunderschön gestaltete Lobby aus Naturhölzern und großzügige Cottages mit geschmackvoller Einrichtung in Erdtönen und einem tollen Badezimmer erwarten uns. Von jeder Veranda aus überblickt man den Boteti River. Nach dem Hinweis, dass die Bar unbegrenzt geöffnet ist, ziehen wir uns zu einer dreistündigen Siesta in unsere Luxusgemächer zurück. 
Am Nachmittag brechen wir zum Game Drive auf. Unser Guide weckt hohe Erwartungen, als er erwähnt, dass hier die kompletten Big Five anzutreffen seien. Tatsächlich stoßen wir bald auf Elefanten, darunter mächtige Bullen von beeindruckender Größe. Vor unseren Augen rempeln die Giganten ausgewachsene Bäume an und schütteln so leckere Früchte von den Ästen. Ein riesiger Elefantenbulle schreitet in geschätzten drei Meter Entfernung um einen unserer Land-Cruiser herum.
Im Park sichten wir auch noch Kudus, Impalas und drei wunderschöne Giraffen. Leider lassen sich trotz intensiver Suche nur Spuren von Nashörnern finden. Die restlichen Big Five scheinen ganz verreist zu sein.
Zum Sundowner-Snack halten wir an einer Wiese mit einer großen Schirmakazie, auf der gerade ein Elefant und zwei Kudus verweilen. Die ganze Szene erfüllt das perfekte Afrika-Klischee. Wir genießen die Kulisse und schlürfen andächtig unsere Drinks.
Nach Sonnenuntergang erleben wir noch eine besondere Überraschung: Während wir noch glauben, dass der Guide zur Lodge zurückfährt, bemerken wir im Busch den Schein eines Feuers. Hinter der nächsten Kurve erwartet uns doch tatsächlich ein Busch-Barbecue! Liebevoll hat man für uns unter Bäumen eine Bar und eine Tafel aufgebaut und toll eingedeckt. Auf einem Grill brutzeln Würstchen, Hühnchen und eine Lammkeule. In den Ästen hängen Lampen, und ein Lagerfeuer lädt ein. Wow!
Bevor wir mit dem Schlemmen beginnen, verwöhnen uns die Mitarbeiter der Lodge noch mit afrikanischen Tänzen und glockenhellem Gesang. Einfach schön!
Gleich nach dem Barbecue gab es noch eine Nachtsafari.
Im Scheinwerferlicht tauchen immer wieder Kudus, Springhasen und geheimnisvoll aufleuchtende Augenpaare auf. Es ist spannend, weil wir in der Dunkelheit eine sehr begrenzte Sichtweite haben und jederzeit damit rechnen, dass plötzlich ein Nashorn oder ein Elefant unmittelbar vor uns auftauchen könnte.
Leider scheinen die meisten Tiere in dieser Nacht faul in ihren Verstecken zu liegen, denn spektakuläre Sichtungen können wir nicht mehr machen. Als wir spätabends in der Lodge ankommen, schließen wir den erlebnisreichen sechsten Tag unserer Botswana Scout-Tour mit einem Absacker an der Bar ab und freuen uns auf morgen.
Viele Grüße von Björn
2 Kommentare
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Donnerstag, März 25, 2010, 5:43 nachmittags
Danke für die interessanten Berichte jeden Tages und die wirklich beindruckenden Fotos von Landschaft und Tieren. Ich beneide Euch ;-)
Herzlichst Thomas
Freitag, März 26, 2010, 1:43 nachmittags
Sehr schönes Tagebuch. Da bekommt man Lust, auch dahin zu reisen.
Grüße
Julius